Hier findest du meine Beiträge zum Mikrofiction-Wettbewerb bei Sweek

Dies ist der Link zu meiner SWEEK Autorenseite. Der aktuelle Beitrag ist immer dort zu finden. Die Beiträge aus den Vormonaten werden hier eingestellt. Es gibt hier also jeden Monat mindestens eine neue Mikro-Story.

Der Wettbewerb: Eine Kürzestgeschichte mit maximal 250 Worten und einem Stichwort.

Das Stichwort im Mai: Spiel / im Juni: Tag / im Juli: Tür
Es bedeutet mir viel, wenn du ein Like oder einen Kommentar da lässt. Danke!

Für bessere Übersicht hier die Titelbilder mit einem Sprung zur jeweiligen Geschichte

Ein rotes Notizbuch mit Lederschnürung

#Mikrotür: Das rote Notizbuch

Sie stand vor der Tür und atmete erleichtert auf, denn endlich war es geschafft. So lange hatte sie sich vorbereitet, hatte genauestens recherchiert und alles ans Licht gebracht. Jedes noch so kleine Detail über sein Leben war in ihrem wunderschönen roten Notizbuch vermerkt, aber eigentlich brauchte sie dieses Notizbuch gar nicht.

Sie hatte das alles im Kopf, und im Herzen natürlich, denn seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, liebte sie ihn. Jeder Tag, der verstrichen war, ohne dass sie sich ihm zeigen durfte, hatte sie beinahe zerrissen. Aber heute war es endlich soweit. Heute würde er sie kennenlernen und dann würde er ihr sein Herz öffnen, sie würden endlich zusammen glücklich sein.

Sie hatte sein Lieblingsessen gekocht, sich hübsch gemacht und auch noch ein wenig von dem neuen Parfum aufgelegt. Mit klopfendem Herzen stand sie nun mit dem Tablett vor der Tür und hielt noch einmal inne. Dann stieß sie sie auf und trat mit einem strahlenden Lächeln ein.

Er war auf dem Stuhl ein wenig in sich zusammengesunken, aber immerhin war er bereits wieder wach. Sein Kopf ruckte hoch und mit großen Augen starrte er sie an. Dann riss er wie wild am Stuhl, doch die Kabelbinder hielten seine Arme fest auf den Lehnen und seine Knöchel fest an den Stuhlbeinen. Er versuchte, trotz des Knebels etwas zu sagen, aber sie lächelte nur.

Er würde schon verstehen, dass sie für einander geschaffen waren, auch wenn es vielleicht etwas dauern würde.

 
 
Händeschütteln vor dem Hintergrund einer gerade eben geöffneten Tür

#Mikrotür: Anerkennung

Ich stehe vor dieser Tür, hinter der über das Schicksal entschieden wird.
Ich stand drinnen, hinter meiner Zimmertür, als die Boko Haram in unser Haus kamen und ich hörte meine Schwester schreien.
Als alles wieder still war, trat ich durch die Tür und sah das Blut auf dem Boden, meine Schwester war fort.

Ich stehe vor dieser Tür, im Arm ein Kind, das ich nicht geboren habe.
Die Türen zum Unterdeck des verrosteten Frachters waren verschlossen und alle, die dort unten waren, wurden mit in die Tiefe gezogen, als er sank.
Die Türen öffneten sich nicht, aber eine Luke wurde eingeschlagen und ein Kind hindurchgepresst. Ich packte zu und hielt es fest. Ich wollte aufgeben, aber ich konnte es nicht einfach loslassen, also musste ich weiterschwimmen.

Ich stehe vor dieser Tür und warte darauf, was sie über mich und meine Tochter entscheiden.
Denn als ich gefragt wurde, da nannte ich sie meine Tochter, damit sie bei mir bleiben konnte. Sie gab mir Kraft, als ich beinahe ertrunken wäre und ich werde für sie da sein, immer.

Ich stehe vor dieser Tür, die sich jetzt plötzlich öffnet.

Meine Hände zittern, als ich zögerlich den Raum betrete. Die Papiere in meiner Hand zittern auch, als ich sie herüberreiche. Es fühlt sich an wie Stunden, während er immer wieder auf den Computer und auf die Papiere schaut. Schließlich lächelt er, dann reicht er mir die Hand. Ich höre das Wort Anerkennung.

Eine neue Tür hat sich für mich, für uns geöffnet.

Danke.

Dies ist ein abgewandeltes Mikroficton – Projekt. Ein Autor hat eine #Mikrofiction geschrieben, ein Anderer schreibt eine Fanstory dazu.

Ich durfte die Geschichte von Mel Anders ergänzen. Das Ergebnis siehst du hier.

Die SWEEK-Seite von Mel Anders erreichst du, wenn du auf ihr Titelbild klickst.

Original – Mikrofiction: „Wenn es Tag wäre“ von Mel Anders [@MelAnders]

Wenn es Tag wäre …
… wäre ich nicht hier, sondern ich wäre bei dir. Ich würde dich einladen in einen Eisladen und wir würden uns mit Blicken duellieren, während wir uns köstlich amüsieren.

Wenn es Tag wäre …
… wäre ich nicht allein, sondern in deinem Augenschein. Ich würde dich etwas fragen und du würdest etwas sagen,
während wir uns beim Spazieren ineinander verlieren.

Wenn es Tag wäre …
… wäre ich mit dir zu zweit zu allem bereit in unserer eigenen kleinen Ewigkeit und ich würde dir sagen, wie sehr ich dich liebe und dass ich auch ohne Triebe für immer bei dir bliebe, wenn du mich ließest und mich nicht von dir stießest.

Doch es ist nicht Tag. Es ist Nacht und ich liege allein in Einsamkeit in meinem Bett, träume von einer Zeit, weder aus Zukunft, noch Vergangenheit und erdenke mir die Möglichkeit von uns zu zweit.

Es ist Nacht und während ich die Stunden zähle und mich zum Schlafen quäle weiß ich doch, dass ich immer wieder dich wähle, dich, die du mir liegst auf der Seele.

Es ist Nacht und ich weiß, dass ich dich nie vergessen werde, denn selbst wenn ich sterbe bist und bleibst du mein einziger Engel auf dieser Erde.

Aber wenn es Tag wäre …
… wäre ich doch nicht bei dir, denn ich bin nur ein Freund und mein Traum von der Liebe ausgeträumt.

Mikrofanfiction: „… dann könnte ich dich spüren.“ Von Hilga [@Hilga]

Wenn es Tag wäre…

Das zerknüllte Papier, das in deiner Tasche steckte, zittert in meiner Hand und mit tränenverschleiertem Blick starre ich darauf.

Schon seit wir uns das erste Mal gesehen haben, weiß ich es. Es war in deinen Augen, auch wenn du dachtest, du hättest den Blick schnell genug niedergeschlagen. Es war auch in den vielen kleinen Berührungen, von denen du wohl glaubtest, ich hätte die Absicht, die Sehnsucht dahinter nicht gespürt. Und in deiner Stimme, dieser Unterton, den niemand außer mir hören konnte.

Ich dachte immer, ich könnte das nie mehr fühlen, nicht nach allem, was mir passiert war. Nach all der Erniedrigung und Verletzung, mit all den Narben und Rissen auf meiner Seele und auf meinem Körper. Ich dachte das, was sie ein Trauma nennen, hätte mich für immer zerstört.

Aber du warst da, hast mich gehalten, wenn ich Trost brauchte, mich angespornt, wenn ich Kraft brauchte. Du warst mein bester Freund und oft mein einziger Freund.

Ich sitze hier neben dem Krankenhausbett und starre in sein blasses Gesicht. Das Auto hat dich voll erwischt, als du über die Straße rennen wolltest, weil du dachtest, ich wäre in Gefahr. Beinahe hätte ich dich verloren und die Angst um dich hat mich endlich aufgeweckt.

Ich werde es jetzt zulassen, kann es jetzt fühlen, und ich möchte, dass auch du weißt wie sehr ich dich liebe.

Flatternd öffnen sich deine Lider und ich beuge mich vorsichtig nach vorn. Ganz zart berührt mein Mund deine Lippen.

Unser erster Kuss.

#Mikrotag: Der erste Tag

Ich schlage die Augen auf und weißes Licht blendet mich. Meine Haut ist feucht von der Flüssigkeit, die mich in der Membrane umgeben hat. Das Kabel, das zu dem Port in meinem Nacken führt, wurde bereits gelöst und ich verstehe, dass ich ab jetzt ein eigenständiges Wesen bin.

Ich bin ausgewachsen und voll ausgeformt, daher bin ich jetzt nicht mehr auf die Verbindung angewiesen. Es erscheint mir fremd, getrennt zu sein. Ich empfinde ein Fehlen, eine Leere, habe den Wunsch sie zu füllen. Ich werde weiter transportiert, bis ich einen größeren Raum erreiche, der angefüllt ist mit Anderen. Wir sind von beiderlei Geschlecht, aber sonst einander recht ähnlich. Diese Leere will gefüllt werden.

Ich strecke eine Hand aus und berühre ihren Arm. Sie dreht sich zu mir herum und sieht mich an.

Verbindung.

Wir bekommen Kleidung und dann betreten wir einzeln einen Raum, in dem wir geprüft werden. Ich verstehe das alles, weil mir bereits in der Zeit des Heranwachsens diese Dinge über meine elektrischen Verbindungen vermittelt wurden. Mein Geist ist, wie mein Körper, voll ausgeformt und mit allem Notwendigen ausgestattet.

Der Test ist lang und ich werde mental und körperlich auf das Äußerste beansprucht. Als ich ihn abgeschlossen habe, trete ich wieder nach draußen. Dort sehe ich, sie wieder und unsre Blicke treffen sich.

Verbindung.

Die nicht bestanden haben, werden durch einen kurzen Stromschlag exekutiert. Sie ist an der Reihe, sieht mich an, dann sackt sie zusammen.
Ihr Dasein dauerte nicht einmal einen einzigen Tag.

Leere.

Gesicht mit Camouflage

#Mikrotag: Der letzte Kampf

Jemand hält mich fest, aber ich wehre mich. Auch wenn ich mich kaum noch bewegen kann, und meine Uniform in nur noch ein blutiger Fetzen ist, gebe ich nicht auf. Niemals.
Ich bin ein Soldat, ein Fighter, der nie aufhört zu kämpfen. Vorher habe ich auf der Straße gelebt, heimatlos und immer hungrig. Als die Anwerber kamen, dachte ich nur an das Essen, das sie versprachen. Ich hatte ja keine Ahnung.

Dann gaben sie mir ein Gewehr, steckten mich in einen Truppentransporter und ab dem Tag hatte ich nur noch eine Wahl: töten oder getötet werden. Das Leben, das ich vorher geführt habe, erscheint mir manchmal wie das Paradies, im Vergleich zu der Hölle, in der ich jetzt bin.

In dieser Sackgasse, zwischen den Müllcontainern wollte ich mich verstecken, aber jetzt hat er mich und verzweifelt winde ich mich in seinem Griff.

Mein Blick fällt auf ein Messer, das hinter ihm am Boden liegt. Wenn ich es erreichen kann, werd ich ihm den Hals aufschneiden. Mir wird schlecht, bei dem Gedanken, aber ich lass mich nicht gefangen nehmen. Plötzlich fällt mir der rote Blutstropfen auf, der an der Messerspitze hängt und ich starre darauf, als wäre es irgendein Rätsel. Etwas stimmt hier nicht. Wer ist dieser Kerl? Seine Stimme dringt endlich zu mir durch..

„Hey, schon ok, ich tu dir nichts.“ Mein ganzer Körper brennt und der Schmerz macht mich verrückt. Mit verschleiertem Blick sehe ich zu ihm hoch. Er schüttelt fassungslos den Kopf.

„Wie alt bist du?“

„Dreizehn.“

Buchstabenhabd taucht aus dem Buchstabenmeer auf

#Mikrospiel: Buchstaben zu Worten zu Sätzen zu Träumen. Der erste Schritt

Buchstaben und Zeichen krabbeln und springen wild umeinander herum.
Ich lehne mich entspannt zurück und beobachte sie bei ihrem Spiel.
Hier und da ballen sie sich zusammen und wachsen empor. Gleich einer Sandburg werden sie von der Welle der nächsten Bewegung fortgespült.
Da, ein neuer Gedanke. Er gefällt mir und ich schenke ihm meine Aufmerksamkeit.
Während er langsam wächst, verändert er sich, zuckt und windet sich wie windgepeitscht.
Ich richte mich gespannt auf und beuge mich nach vorn, will ihn festhalten, hoffe, dass er es schafft.
Mein Herzschlag beschleunigt sich und meine Hände schweben zitternd über der Tastatur.

Noch ein endlos erscheinender Augenblick verstreicht, dann bricht es hervor,

das erste

Wort.

Mann hockt am Boden und hält ein Messer

#Mikrospiel: Kein Spiel mehr

Ich stehe in der hintersten Ecke und drücke meinen Rücken an die Wand. Es stinkt und ist stockfinster in dieser Sackgasse und das ist mir gerade recht.

Hier wird man meinen Körper nicht finden und die Wahrscheinlichkeit, dass irgendein Idiot wieder versucht mich zu retten, geht gegen null. Ich werde es durchziehen, nicht wieder zurückgeholt werden und dann doch weiterleben müssen, weil irgendwer sich einbildet, mir helfen zu können. Mir kann nur noch dieses Messer helfen. Dann wird er endlich aufhören, dieser verdammte, unerträgliche Schmerz. Sie haben mich immer wieder benutzt, in ihrem perfiden Spiel. Benutzt und weggeworfen, bis meine Seele in Fetzen hing. Aber das hier ist kein Spiel mehr, hier und jetzt hört das alles auf.

Endgültig.

Mein Herz schlägt hart und schnell, als ich das Messer an die Halsschlagader setze und beinahe überhöre ich das leise Wimmern hinter mir. Ich will es überhören, denn es ist nicht meine Sache. Die Schneide ritzt meine Haut und zugleich mit dem feinen Brennen ist da wieder dieses Geräusch.

Verdammt.

Mein Blick sucht die Ecke zwischen den Müllcontainern ab, ohne dass meine Hand ihre Position verändert. Da sehe ich eine schwache Bewegung und erkenne, woher das Geräusch kommt. Für einen Augenblick setzt mein Herzschlag aus und ich bin vollkommen erstarrt. Mein Gott, wie kann jemand so etwas tun?
Als ich mich wieder bewegen kann, fahre ich herum und das Messer fällt mit einem Scheppern zu Boden.

Ich knie mich hin, um dir zu helfen.